Darmstadt und seine Geigenbauer bis 1945

 

Abbildung: Decken- und Bodenansicht einer Violine mit der Zettelinschrift: Skotschofsky fecit / in Hessen Darmstatt / 1715

 

1. Skotschofsky, Johann Georg (auch Skotschoffsky, Skotschofscky)

Musiker und Instrumentenmacher aus Ungarn, in  Darmstadt als Hofmusiker unter dem angesehenen Kapellmeister und Komponisten Christoph Graupner  von 1710 bis ca.1728 beschäftigt. Lebensdaten sind nicht bekannt. Sein Sohn Johann Laurentius, in Darmstadt 1727 getauft, war Violinist an der Hofkapelle in Trier von 1745 bis 1768. Ab 1765 war er zusätzlich als Saitenlieferant und Reparateur für Saiteninstrumente zuständig. Johann Valentin Skotschofsky, Sohn des Joh. Laurentius, ebenfalls Violinist war von 1776 bis 1802 in Trierer Diensten. Das letzte bekannte Familienmitglied, Johann Sebastian Skotschofsky, 1760 in Mainz geboren, war als Theatermusiker (Bratschist) in Frankfurt tätig und verstarb dort am 18.07.1830.

Oben abgebildet,  eine Violine von Johann Georg Skotschofsky aus dem Jahr 1715, Korpuslänge 35,1 cm. Die Schnecke ist leider nicht  im Original erhalten. Bisher waren von Johann G. Skotschofsky nur zwei Viola d´amore bekannt. Ein Instrument aus dem Jahr 1714 befindet sich in Privatbesitz, eine weitere Viola d´amore, datiert aus dem Jahr 1727, wird ausgestellt im "Le Musee du Conservatoire National de Musique" in Paris. Um mehr über die Arbeiten Skotschofskys zu erfahren wäre es wünschenswert weitere Instrumente von Ihm kennenzulernen, auch um eine sichere Zuschreibung gewährleisten zu können.

 

Abbildung unten links: Die fast 300 Jahre alte Inschrift der Skotschofsky Violine, rechts daneben die gut erhaltene Inschrift der Viola d`amore, Darmstadt 1714.

 

          

2. Diehl, Nikolaus 1779 - 1851

Abbildung: Violine von Nikolaus Diehl, Darmstadt 1830

Sohn des Geigenbauers Martin Diehl aus Mainz, seine Ausbildung absolvierte er 1792/93 bei seinem Onkel Jacob Steininger in Frankfurt. Anschließend arbeitete er viele Jahre bei seinem Bruder Johann Diehl in Mainz. 1811 wurde Nikolaus Diehl als Großherzogl. hessischer Hof Lauten- und Geigenmacher nach Darmstadt berufen. Werkstattadressen: 1819 Holzstraße 26, 1839 Kirchstraße 27,  1847 Obergasse 5, 1850 Elisabethenstraße 1. 

 

3. Diehl, Friedrich 1814 - 1888

 Abbildung: Viola von Friedrich Diehl, Darmstadt 1863. 

Sohn und Nachfolger des Nikolaus Diehl, ebenfalls Hofinstrumentenmacher, übernahm die Werkstatt seines Vaters 1851. Übersiedelte 1885 zu seinem Sohn August Diehl nach Hamburg wo er 1888 verstarb. Werkstattadressen: 1870 Niederramstädter Straße 26, 1877 Hölgesstraße 8, 1882 Kasinostraße 11.      

                           

4. Harnisch, Hermann 1859 - 1923

geboren in Gera, Schüler von Otto Bausch Leipzig, Hoftheatermusiker und Hofmusikinstrumentenmacher. Werkstattübernahme von Friedrich Diehl nicht gesichert. Ernennung zum großherzoglichen Hofinstrumentenmacher 1895.  Er war hauptsächlich als Reparateur tätig. Werkstattadressen: erster gewerblicher Adreßbucheintrag 1887 in der Louisenstraße 14,  2 Jahre nachdem F. Diehl seine Werkstatt geschlossen hat. 1896 Schulstraße 7, 1903 Schulstraße 10, ab 1911 Hügelstraße 29.

Abbildung: Geschäftskarte von Hermann Harnisch ca. 1910.

 

5. Rügemer, Bruno 1894 - 1980

Abbildung: Viola von Bruno Rügemer ohne Angabe des Entstehungsjahres 

geboren in Bundorf Unterfranken, in Darmstadt von 1922 bis 1944. Schüler von Philipp Keller Würzburg sowie Johann Evangelist Bader Mittenwald. Werkstattübernahme von Harnisch ist relativ sicher da Bruno Rügemers erste Werkstattadresse ebenfalls die Hügelstraße 29  ist. 1944 hat er sich wieder in Nürnberg niedergelassen. Werkstattadressen: 1933 Hügelstraße 29, 1942 Ludwigstraße 18.

 

6. Stein, Adolf 1905 - 1969

geboren in Darmstadt, war dort als Geigenbauer von 1919 bis 1927 für unterschiedliche Firmen tätig. Machte sich 1927 in Hamburg selbstständig. Wo er die Lehrzeit verbrachte ist nicht gesichert, es sind unterschiedliche Angaben in der Literatur zu finden.

 

7. Gerbert, Max 1879 - ca. 1961      

geboren in Breitenfeld. In Darmstadt eigene Werkstatt seit 1910. Da Jalovec schreibt er hätte unter anderem in Markneukirchen gearbeitet, handelt es sich sicher um  den Ort Breitenfeld im Vogtland. Werkstattadressen: 1921 Rheinstraße 17, 1933 Elisabethenstraße 35, 1937 Schuchardstraße 13. Wo er seine Lehrzeit verbrachte ist nicht bekannt.

 

Quellenangabe

Adressen aus dem Stadtarchiv Darmstadt,

"Melderegister und Adreßbücher der  Residenz Darmstadt"

Elisabeth Noack:

 "Musikgeschichte Darmstadts vom Mittelalter bis zur Goethezeit"

August Klingemann:

"Allgemeiner deutscher Theater Almanach für das Jahr 1822"

Gustav Bereths:

"Die Musikpflege am kurtrierischen Hofe zu Koblenz-Ehrenbreistein"

Heinz Berck: "Die Viola d`amore"

Intelligenz - Blatt der freien Stadt Frankfurt,  Ausgabe Juli 1830

Egmont Michels: "Die Mainzer Geigenbauer"

Willibald Leo Freiherr v. Lütgendorff:

"Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart",

Band I, II und Band III (Ergänzungsband v. Thomas Drescher)

Karel Jalovec:  "Deutsche und österreichische Geigenbauer"

 

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